1) Übersicht über die verschiedenen Schlägeltechniken
Bei allen Stabspielen gibt es zwei verschiedene Anschlagspunkte. Der erste und wichtigste Anschlagspunkt liegt genau in der Mitte der Platte. Dort ist das Schwingungsverhalten und die damit verbundene Tonerzeugung ideal. Je weiter der Anschlagspunkt nach oben oder unten, also in Richtung des Knotenpunktes verschoben wird, desto mehr verliert der Klang an Fülle. Das Obertonspektrum des Klanges, seine Lautstärke und die Brillianz des Tones verändert sich. Über den alternativen, oder zweite Anschlagspunkt gibt es unterschiedliche Meinungen. In vielen Fällen sollte die Mitte zwischen Plattenanfang, bzw. Plattenende und dem Knotenpunkt getroffen werden. Dort soll der Ton gegenüber dem Idealpunkt relativ gleich sein. Leigh Howard Stevens vertritt jedoch die Meinung, daß der zweite Anschlagspunkt direkt am Plattenrand ausgeführt werden sollte.(vgl. "Method of Movement for Marimba" by L.H.Stevens, Seite 22f.1)

 
 
 

Abbildung 1) Die Anschlagspunkte
 
 
 
 
 
 
 


 
 
 

1.1 ) 2-Schlägeltechnik

Die 2-Schlägeltechnik kann man man auf allen Stabspielen anwenden. Es gibt keine großen Unterschiede zwischen den verschiedenen Lehrmodellen. Bei dem Spiel mit zwei Schlägeln ist eigentlich nur zu beachten, daß die Schlägelhaltung, die Schlägelführung und der Anschlagspunkt korrekt sind. Der Schlägel wird wie ein Drum-Stick (Schlagzeugstock) zwischen Daumen und Zeigefinger gehalten. Der Zeigefinger schließt sich um den Schlägel, der Schlägel liegt somit im ersten Fingersegment des Zeigefingers auf. Der Schlagimpuls geht vom Handgelenk aus.
Bei aufwärtsführenden Linien sollte der Schlägel der rechten Hand nahezu parallel zu den Klangplatten geführt werden (s.Abb. unten), bei abwärtsführenden Linien wird der Schlägel der linken Hand parallel zu den Klangplatten geführt. Dies ermöglicht das Spielen von schnellen Läufen, ohne das sich die Hände gegenseitig behindern. Beim Spiel mit zwei Schlägeln sollte der Spieler darauf achten, daß nach Möglichkeit immer die Mitte der Platte als Anschlagspunkt genutzt wird.

 
 
 


 
 


Abbildung 2) 2-Schlägelführung


 
















In der 2-Schlägeltechnik hat der Spieler nicht viele Möglichkeiten einen Wirbel oder ein Tremolo zu erzeugen. Da nur zwei Schlägel zur Verfügung stehen, der Wirbel also als eine Hand-zu-Hand Schlagabfolge erscheint, kann der Spieler nur durch eine Verkürzung oder Verbreiterung des Schlagintervalls den Wirbel variieren.

1.2 ) 4-Schlägeltechnik:

1.2.1 ) Die Kreuzgrifftechniken



Abbildung 3) Traditional grip
 
 
 
 

Der "Traditional Grip" ist eine der ersten 4-Schlägeltechniken. Die Haltung der Schlägel ist rechts und links identisch. Die äußeren Schlägel werden zwischen Mittel- und Zeigefinger festgehalten, der innere Schlägel (zwischen Daumen und Zeigefinger) kreuzt den Äußeren in der Handfläche. Wird ein großes Intervall benötigt, drückt der Daumen und der Zeigefinger beide Schlägel nach außen. Bei sehr großen Intervallen, bei denen Daumen, Zeige- und Mittelfinger sehr nach außen geneigt sind, müssen Ringfinger und der kleine Finger die beiden Schlägel an ihrer Kreuzung festhalten.


Abbildung 4) Burton grip
Eine Variantion des "Traditional Grip"´s ist der "Burton-Grip".) Beim "Burton-Grip" bildet der äußere Schlägel der rechten Hand mit dem innen Schlägel einen 900 Winkel. Melodieschlägel sind bei der "Burton-Technik" der rechte Außen- und der linke Innenschlägel. Die Bewegungen werden hauptsächlich aus dem Handgelenk in einer vertikalen Bewegung geführt. Die Arme können unterstützend eingreifen. Um das Intervall bei dieser Technik zu schließen, muß der Daumen den Innenschlägel nach innen drücken und der Zeigefinger wird gestreckt. Die linke Hand ähnelt dem "Traditional Grip" sehr.

Abbildung 5) Gordon-Stout grip
 
 
 
 

Eine andere Variante ist der "Gordon-Strout-Griff" (. Einziger Unterschied zum "Burton-Griff" ist, daß der Außenschlägel zwischen Mittel- und Ringfinger gehalten wird.
 
 
 
 
 


 
 
 

1.2.2 ) Die nichtkreuzenden Griffe

Die nichtkreuzenden Griffe zeichnen sich durch die Unabhängigkeit innerhalb der Hand aus. Innen- und Außenschlägel haben eine größere Freiheit als bei den Kreuzgriffen.


Abbildung 6) Musser grip

Wie die Kreuzgrifftechniken, gibt es auch bei den nicht-kreuzenden Griffen, viele Variationen. Als "Ur"-Form dieser Techniken gilt der "Musser-Griff" . Bei dieser Technik wird der Außenschlägel mit dem Ringfinger und dem kleinen Finger gehalten. Der Innenschlägel liegt auf dem Zeigefinger auf und wird vom Daumen gehalten. Die Schlägel werden nahezu parallel in der Hand geführt und haben dadurch eine größere Freiheit und Unabhängigkeit. Durch die Unabhängigkeit lassen sich auch viele musikalische Aspekte hervorheben. Als ein Beispiel sei hier nur die Stimmführung genannt,die bei vielen Transkriptionen sehr wichtig ist.
 
 
 


 


Abbildung 7) Stevens grip


 







Der "Stevens-Griff" , als eine Variante des "Musser-Griffes" ist weit verbreitet und bietet eine sehr ausführlichen technischen Anleitung für die Marimba von Leigh Howard Stevens selbst. ("Method of Movement for Marimba"2). Der Außenschlägel wird etwas länger abgegriffen, als bei der "Musser-Technik". Das Ende des Außenschlägels endet nicht an der Handwurzel, sondern wird etwa 5cm über der Handwurzel gehalten. Der Innenschlägel wird mit Daumen und Zeigefinger gehalten. Der Schlägel liegt hier im 1.Fingersegment auf und endet im Handballen auf Höhe des Daumens. Sollen sehr große Intervalle gespielt werden, wird der Innenschlägel in einer Kurve vom Handballen zum Anfang (3.Fingersegment) des Mittelfingers geführt. Durch diese "Spreizung" des Schlägels können große Intervalle auf der Marimba gespielt werden. (Duezime im oberen Register, bis zu einer Oktave im unteren Register). Eine ausführliche Erklärung der Stevens-Technik gehört in ein anderes Kapitel. Stevens-Tremolo
 
 
 


 


Abbildung 8) Maineri grip


 







Ein weiterer nicht-kreuzender Griff ist der "Maineri-Griff" . Der Außenschlägel wird nur vom kleinen Finger festgehalten. Der Schlägel liegt aber zwischen Ring- und kleinem Finger. Der Innenschlägel liegt im 2.Fingersegment des Zeigefingers auf und wird mit dem Daumen von oben gehalten. Als zusätzlichen Stabilisator wirken hierbei auch der Zeige- und Mittelfinger am Schlägelstiel.
 


 

1.2.3 ) 6-Schlägeltechnik (Kreuzgriff nach Kostowa/Giesecke3)

Der Außenschlägel wird bei dieser Technik zwischen Ring- und Mittelfinger bis zur Handwurzel fixiert und vom Ring- und kleinen Finger festgehalten. Der Mittelschlägel wird nun vom Daumen und Zeigefinger gehalten. Er muß etwas weiter vorstehen, als der Außenschlägel und wird mit diesem auch gekreuzt. Mittelschlägel unter Außenschlägel. Der Innenschlägel wird vor dem Daumen plaziert. Der Innenschlägel wird unter dem Mittelschlägel gekreutzt. Bei einer Sekunde zwischen Innen- und Mittelschlägel liegen diese parallel. Wird ein kleines Intervall zwischen Mittel- und Außenschlägel benötigt, muß der bis dahin als Innenschlägel bezeichnete Schlägel seine Position mit dem Mittelschlägel tauschen. Der "neue" Mittelschlägel wird zwischn Zeige- und Mittelfinger gehalten. Der "neue" Innenschlägel bleibt so in der Hand liegen, wie der "alte" Mittelschlägel.



 


Abbildung 9) 6-Mallet Technik


 







Diese Technik ist aber noch nicht allzu verbreitet. Es gibt auch noch andere Modelle für die 6-Schlägeltechnik, aber Kostowa und Giesecke haben eines der Technikbücher darüber verfaßt.
 
 


 
 

1.2.4 ) 8-Schlägeltechnik

Mittlerweile gibt es auch schon Marimba-Spieler, die mit 8 Schlägeln spielen. Zu diesen gehört Keiko Abe. Leider gibt es über die Technik noch keine Literatur, oder Manuskripte.



 

1.3 ) Vor- und Nachteile der Kreuzgriffarten

Vorteile der Kreuzgriffarten:
- Beim akkordischen Spiel treffen alle Schlägel zusammen auf den Platten auf
- Durch die "starre" Haltung können Akkorde sehr deutlich/kräftig geschlagen werden

 
 

Nachteile der Kreuzgriffarten:

- hohe Nebengeräusche durch das aufeinander klatschen der Stiele in der Hand

- kleinerer Intervallumfang als bei nichtkreuzenden Griffen

- Der Klang an der Marimba ist teilweise nicht weich genug.

- Bei Tremoli und Akkorden ist keine Betonung einzelner Töne möglich (Stimmführung)

1.4 ) Die "Stevens-Technik"

Wie schon in den Abschnitten vorher erklärt gehört die "Stevens-Technik" zu den nicht-kreuzenden Griffen. Leigh Howard Stevens selbst wollte zu Anfang dieser Entwicklung diese, seine Technik eher als Variante/Verbesserung des "Musser-Griffes"(vgl. 2.2.2) sehen. Erst im Laufe der Jahre, in denen immer mehr Malletspieler selbst von einer "Stevens-Technik" sprachen, erkannte auch L.H.Stevens seine eigene Technik als eigenen Standard an.
Verschmelzung von Schlag und Vorbereitung
Der Malletspieler benutzt bei dieser Technik wirklich vier, fast unabhängige Schlägel. Innerhalb der Hand kann der einzelne Schlägel so bewegt werden, daß der andere Schlägel nicht mitschwingt. Der Vorteil einer solchen Technik liegt auf der Hand, wenn man den Vergleich zu Tasteninstrumenten zieht, bei der der Spieler mit bis zu zehn unabhängigen Finger spielen kann. Die zwei Schlägel in einer Hand, werden als zwei Achsen verstehen, um die der andere Schlägel sich jeweils dreht. Die ermöglicht auch bei Tremoli und Akkordspiel einzelne Töne aus der Menge hervorzuheben. Durch diese Technik wird eine nachvollziehbare Stimmführung auf der Marimba erst möglich. Neben den üblichen Formen der Tremoli auf der Marimba/Stabspielen, erfand Stevens noch eine eigene Form, den sog. "Stevens-Roll". Dieser Wirbel entsteht nicht durch eine abwechselnde Hand-zu-Hand Bewegung, sondern durch eine sehr schnelle Abfolge von zwei Schlagtechniken. Zum einen durch das Abwechsel zweier Schlägel in einer Hand (Außenschlägel - Innenschlägel), oder durch die Ablösung vom rechten Außenschlägel mit dem linken Außenschlägel, danach folgen auf die gleiche Weise die Innenschlägel.

 


1nähere Angaben siehe Literaturverzeichnis
2nähere Angaben siehe Literaturverzeichnis
36-Mallet-Compendium, Winterthur 1995, nähere Angaben siehe Literaturverzeichnis