1)
Besondere
Spielweisen
1.1 ) Tonverlängerung
Läßt
man die Möglichkeit der Pedalisierung am Vibraphon erst einmal außen
vor, so ist die Tonlänge eines Malletinstruments doch eher kurz. Das
Material, sei es nun Holz (Marimba, Xylophon, usw.) oder Metall (Vibraphon,
Glockenspiel usw.) wird durch den Aufprall des Schlägels in Schwingung
versetzt und gelangt nach einer Schwingungsphase wieder in den Ruhezustand.
Der Ton verklingt. Um diesen Effekt entgegen zu wirken, bieten nun die
Metall-Stabspiele meistens ein Pedal zur Verlängerung dieser Schwingphase.
Dieses Pedal funktioniert wie das Pedal an einem Klavier, wo die Saiten
durch einen Filz gedämpft werden. Bei den Metallstabspielen wird ein
Filzstreifen gegen alle Platten gedrückt. Durch diese Dämpfung
ist der Klang eines Metallstabspieles nicht viel länger als der eines
Holzstabspiels. Erst wenn das Pedal heruntergedrückt wird, kann die
Metallplatte frei schwingen und klingt langsam aus. Der Spieler bestimmt
nun die Länge des Tones. Wie bei einem Klavier, bietet auch
das Pedal eines Vibraphones verschiedene Umgangsmöglichkeiten.
Da
sich die Schwingungskurven einer Metallplatte (lang) und die einer Holzplatte
(kurz) aber stark unterscheiden, ist es nicht möglich ein Pedal zur
Tonverlängerung an einem Xylophon oder einer Marimba anzubringen.
Also bleibt dem Spieler nur die Möglichkeit den Ton künstlich
zu verlängern. Es haben sich ein paar Techniken herausgebildet um
dies zu erreichen:
Gerade
in moderne, zeitgenössischen Kompositionen kann der Spieler eine Kontrabaß-
oder Cellobogen zur Verlängerung des Tones verwenden. Durch das Anstreichen
der Platte kann man, wie bei einem Saiteninstrument, die Schwingungskurve
verlängern. Es entsteht ein leiser, langer Ton.
Für
alle anderen Tonverlängerungen bleibt nur der Wirbel übrig:
Im
Malletbereich gibt es viele verschiedene Wirbelarten. Für den Bereich
der 2-Schlägeltechnik nur das Hand-zu-Hand Tremolo. Für den Bereich
der 4-Schlägeltechnik gibt es aber das Hand-zu-Hand, den "Indenpendent
Roll", das Mandolinentremolo und den "Stevens-Roll".
Das
Hand-zu-Hand Tremolo ist einfach eine möglichst schnelle Abfolge der
beiden Händen mit zwei oder vier (gleichzeitg auf die Platte auftreffende)
Schlägel.
Der
"Indenpendent Roll" ist ein Wirbel, der innerhalb einer Hand ausgeführt
wird. Bei den nichtkreuzenden Griffarten durch ein möglichst schnelles
Drehen innerhalb einer Hand mit einer kombinierten Auf- und Abwärtsbewegung.
Bei den Kreuzgriffen durch eine möglichst schnelle Auf- und Abwärtsbewegung
kombiniert mit einer leichten Schrägstellung der Hand, damit die Anschlagszeiten
von Innen- und Außenschlägel sich auch unterscheiden. Bei beiden
Techniken "sieht" der Zuschauer mehr oder weniger nur ein Zittern der Hand.
Abbildung
10) Mandolinentremolo
Beim Mandolinentremolo wird
einer der Schlägel unter der zu spielenden Klangplatte plaziert, der
andere über der Platte. Diese Art von Tremolo ist nur bei diatonischen
Tremoli im Ambitus einer Quinte möglich. (vgl. "Compendium der 4-Schlägeltechniken"
Seite 26)
Der
"Stevens-Roll" ist eine Sonderform des Tremolos. Dieser Wirbel wird nur
dann eingesetzt, wenn der Komponist/Arrangeur dies verlangt. Dieser Wirbel
entsteht nicht nur durch eine abwechselnde Hand-zu-Hand Bewegung, sondern
durch eine sehr schnelle Abfolge von zwei verschiedenen Schlagtechniken.
Zum einen eine Art des "Indenpendent Roll" (Außenschlägel -
Innenschlägel), zum anderen der Hand-zu-Hand Wirbel. Durch die Ablösung
der vier Schlägel und der zwei Hände entsteht ein unregelmäßiger
Wirbel, der sich aber durch ein gleichmäßigen Ton auszeichnet.
Abbildung
11) Stevens-Tremolo
1.2 ) Artikulation
Die
Tonerzeugung auf der Marimba ist wie bei allen anderen Schlaginstrumenten
simpel. Durch die Kraft des Schlägels, der auf die Klangplatte trifft,
wird das Holz in Schwingung versetzt. Die Resonatoren, die unter jeder
Platte angebracht sind, verstärken den Klang des Holzes.
Dieses
recht einfache Prinzip der Klangerzeugung bietet dem Spieler nicht viele
Möglichkeiten der Artikulation. Der Spieler kann zwar dynamische Unterschiede
darstellen, aber um klangliche Unterschiede zu erzeugen, muß der
Spieler entweder die Anschlagsposition verändern, oder andere Schlägel
zur Hand nehmen. Mittlerweile gibt es sehr viele verschiedene Schlägelsorten.
Sie unterscheiden sich in den verarbeiteten Materialien. Die Form und das
Material des Kopfes (meistens verschiedene Gummistärken) beeinflussen
den Ton genauso, wie die Stärke und das Material, mit dem der Kopf
umgarnt wurde. Der Kopf des Schlägels kann mit unterschiedlichen Woll-
oder Stoffäden umgarnt werden. Es gibt auch Malletspieler, die durch
die Auswahl der Stiele den Ton verändern wollen. Der grundsätzliche
Unterschied bei einer solchen Auswahl besteht offensichtlich erst einmal
in der Wahl, ob Holz- oder Ratanstiele verwendet werden sollen. Ratanstiele,
die hauptsächlich im Vibraphon ihren Einsatz finden, sind sehr biegsam.
Ratanstiele werden oft im Zusammenhang mit den Kreuzgriffen der 4-Schlägeltechnik
verwendet. Diese Elastizität ist auf dem Vibraphon sehr wichtig für
das Dämpfen einzelner Töne. Auf der Marimba hingegen muß
kein Ton gedämpft werden. Die Elastizität der Stiel hier kann
den Ton negativ beeinflussen, da die Schwingung der Klangplatte eingeschränkt
wird. Holzstiele sind starr und werden oft von Spieler benutzt, die die
nicht-kreuzenden Griffe verwenden. Durch den Holzstiel wird die Klangplatte
nicht in ihrem Schwingungsverhalten gestört. Spieler und Schlägelbauer
sind auch der Meinung, daß durch die Auswahl des Holzes der Klang
verändert werden kann.
Abbildung
12) "Jugendalbum" Mallet Vorschläge
Um bestimmte Töne eines
Akkordes hervorzuheben, kann man unterschiedliche Schlägel innerhalb
eines vierer Satzes benutzen. Als Beispiel sieht man hier die Vorschläge,
die Stevens für zwei Stücke aus dem „Jugendalbum“ macht.
