1) Adaption und Transkription
Um, wie in der Einleitung bereits erwähnt, dem Malletspieler auch Werke von Komponisten vorzustellen, die nicht explizit für Malletinstrumente komponiert wurden, bleibt nur Adaption / Transkription. Für fast jede technische und musikalische Entwicklungsstufe gibt es Transkriptionen bekannter Werke. Diese Transkriptionen sind nicht nur auf den Solisten fixiert, sondern auch für kleinere Besetzungen erhältlich. Ob Duo, Trio, oder auch kleine Percussion-Ensembles. An solchen Stücken kann der Lehrer seinen Schülern nicht nur wichtige musikalische Aspekte vermitteln, sondern auch schon das Ensemblespiel. Manche Adaptionen sind aber auch nur für solche Ensembles verfügbar. Viele Werke für z.B. Klavier, oder auch Soloinstrument + Klavier, lassen sich durch die spieltechnischen Einschränkungen eines Malletinstrumentes nicht für den Solisten umsetzen. Dort werden dann z.B. die linke und die rechte Hand eines Pianisten auf zwei Malletinstrumente verteilt.

 
 

Abbildung 13) Auszug aus J.S.Bach "Invention Nr.13) für Vib. & Mar.
 
 

Oder Werke, die für ein kleines Kammerorchester mit Solostimmen komponiert wurden, werden als Solo-Malletinstrument und Mallet-Ensemble besetzt. Als Beispiele seien hier angeführt: Das Concerto C-Dur op.44/11 von A. Vivaldi in einer Bearbeitung von Treßelt für ein Vibraphon und drei Marimbas. Oder auch das Bach Doppelkonzert in d-moll für ein Mallet Quartett in einer Bearbeitung von M. Houllif.
 
 

Hier zeigt sich auch schon eines der Probleme der Adaption.

Adaptionen von Werken sind nicht nur auf ein Instrument, z.B. die Marimba beschränkt. Ausschlaggebend für die Wahl des Instruments auf dem die Komposition gespielt werden soll, ist zum einen der Klang (Metall oder Holz) und natürlich auch der Tonumfang des Instrumentes. Ein klanglicher Vergleich mit den Originalinstrumenten soll nicht entstehen. Einzig der Gestus des Originalinstrumentes kann imitiert werden.
 

Instrument
Notation
Tonumfang
Glockenspiel
2 Oktaven tiefer
g´´ - e´´´´´
Vibraphon
 
f - f´´´
Xylophon
1 Oktave tiefer
c´´ - d´´´´´
Marimba
 
c - c´´´´
Das sind die Tonumfänge der Standardinstrumente, mittlerweile gibt es aber auch Sonderausführung, deren Tonumfang sich nach oben und unten unterscheidet.

Tabelle 1) Tonumfang von Malletinstrumenten


 











Stücke, die für Flöte geschrieben wurden, lassen sich auf fast allen Malletinstrumenten spielen. "Der Flyuten Lusthof" zum Beispiel ist eine Adaption von kleinen Flötenstücken, die ein blinder Kirchenmusiker notieren lies. Durch den geringen Tonumfang und die einfache Linienführung kann man diese Stück auf dem Glockenspiel, dem Xylophon, dem Vibraphon und auch der Marimba spielen. Auf den größeren Malletinstrumenten (Vibraphon und Marimba) können solche Stücke eine ganz anderen Klangfarbe dadurch bekommen, daß man sie einfach in einem anderen Register spielt.

{Hörbeispiel: Stück aus Flyuten Lusthof auf Marimba, Xylophon, hoch-tief}

Die Stücke aus dem Flyuten Lusthof können alle mit zwei Schlägeln gespielt werden und sind daher auch für Anfänger geeignet.

Die für ein bestimmtes Stück erforderlichen technischen Fähigkeiten sind auf dem Malletinstrument im Gegensatz zu dem "Originalinstrument" nicht dieselben.(Der Schwierigkeitsgrad der Adaptionen ist nicht immer mit dem der Originalinstrumente zu vergleichen.) So ist zum Beispiel das Violinkonzert von J.S.Bach in a-moll (1. und 3.Satz) für den Malletspieler ein relativ einfaches Stück, daß Goldberg in seinem Schulwerk zeigt. Ein Anfänger auf einem Malletinstrument kann dieses Stück schon nach wenigen Monaten spielen, ein Anfänger auf der Violine ist erst nach mehreren Jahren dazu in der Lage. Dies liegt natürlich auch an der Komplexität des Violinenspiels. Es müssen viel mehr instrumental technische Parameter während des Spiels beachtet werden, als der Malletspieler beachten muß. Das genaue Gegenteil ist bei Adaptionen von Klaviermusik zu sehen. Der Pianist, der zwei Hände mit 10 Fingern und Pedal zur Tonverlängerung zur Verfügung hat kann viel schneller und leichter zu einem musikalischen Ergebnis kommen als der Marimbaspieler, der nur zwei Hände mit vier Schlägeln als Mittel einsetzen kann. Ohne ein ausgewogene 4-Schlägel-Technik ist eine solche Adaption einfach nicht möglich. Um wieder auf den Tonumfang zurückzukommen, bietet die Marimba mit 43/4 - 5 Oktaven den größten Umfang. Daher werden viele Adaptionen direkt für die Marimba umgeschrieben. Mit diesem Tonumfang deckt die Marimba verschiedenste Instrumente aus unterschiedlichen Gruppen entweder ganz oder weitläufig ab.

Durch die Größe des Instrumentes lassen sich viele Stücke besser mit vier Schlägeln spielen, auch wenn man manche dieser Stücke auch mit nur zwei Schlägeln spielen könnte. Eine optisch-harmonische Bewegung ist mit vier Schlägeln eher gegeben, als wenn der Spieler große Melodiebewegungen mit zwei Schlägeln bewältigen will.